Ersteindrücke – schlecht gewürzter Schnickschnack?

In der letzten Zeit lese ich immer häufiger, dass es immer mehr schwammige Rezensionen von Brettspielen gibt. Es würde zu viel Inhalt in zu kurzer Zeit auf den Seiten veröffentlicht. Meistens würde bereits nach einmaligem Probespielen ein Statement veröffentlicht. An einer Stelle wurde gefordert, Rezensionen sollten sich auf dem gleichen Niveau bewegen wie Literaturkritiken. Ich hab mich hingesetzt und mir ein paar Gedanken zu diesem Thema gemacht. In der Reihe „Ausgespuckt“ möchte ich mich hin und wieder einigen kritischen Meta-Themen der Brettspielszene widmen.


Zuerst muss ich sagen, dass die meisten der Rezensenten ihre Rezensionen nicht als Hauptberuf ausüben und auch oft nicht primär aus der Spielebranche sind. Sie haben ihre Jobs als Lehrer, Informatiker und so weiter. Ich selbst bin beruflich ebenfalls stark eingespannt. Neben dem Job und Familie bleibt oft nicht soviel Zeit, wie ich gerne möchte, um mich unserem schönen Hobby zu widmen. Spiele, die nach einer Partie unteres Mittelmaß oder noch schlechter abschneiden, haben es schwer erneut auf dem Tisch zu landen, da man seine kostbare Freizeit damit nicht verschwenden möchte. Übrig bleibt also meist eine kleine Auslese an Spielen, die man häufiger spielt und die man auch gut findet. Daher kommen wahrscheinlich die vielen guten Rezensionen und die wenigen Verrisse. Und daher kommen wahrscheinlich auch die vielen Ersteindrücke. Ein Statement zu einem Spiel abzugeben, dass man nur einmal gespielt hat, kann auch wertvoll sein. Für eine Rezension ist das sicher zu wenig aber es kann Wegweiser sein. Ich lese Ersteindrücke sehr gerne um mir zum Beispiel einen kurzen Überblick zu verschaffen, ob ein Brettspiel mich anspricht und ich weiter ins Detail (zum Beispiel Regelstudium) gehen möchte oder ob ich es links liegen lasse. Natürlich sollte man eindeutig kennzeichnen, dass es sich nur um einen Ersteindruck handelt.


Eine Rezension sollte dann natürlich folgen, wenn man sich intensiver mit dem Spiel auseinandergesetzt hat. Nach einigen Partien, mit einer unterschiedlichen Spielerzahl, kann man sicherlich besser über das Spiel urteilen. Es gab auch Diskussionen über die Anzahl der Partien die man gespielt haben muss, um eine gute Rezension zu schreiben. Hier scheiden sich die Geister. Ich bin sicher, es gibt viele, die aus einem Spiel nach wenigen Partien den Kern herauskitzeln und ein gutes Statement nachvollziehbar abgeben können. Einige brauchen dafür eben mehr. Ich denke, dass sich hier die Rezensenten selbst gut einstufen können. Am Ende entscheidet jeder Leser natürlich selbst, welcher Rezensent mit welchem Schreibstil zu seinem eigenen Spielegeschmack passt. Genug Auswahl ist ja da. Als Fazit glaube ich, dass Rezension und Ersteindruck beide ihren verdienten Platz in der Spielekritik haben. Ein gut geschriebener Ersteindruck ist mir aber mehr Wert als eine vermurkste Rezension.


Es wird ebenfalls bemängelt, dass am Ende kein klares Statement gegeben wird und viele Spiele mit einer mittelmäßigen Umschreibung bewertet werden. Das Wort „nett“ fällt häufig. Ich selbst habe mich dabei beobachtet wie oft ich dieses Wort zur Beschreibung eines Spiels eingesetzt habe. Das war mir voher nicht aufgefallen. Aber „nett“ sagt nun mal wenig aus. Wahrscheinlich fehlte mir bisher der Mut auch mal ein Spiel als schlecht zu bewerten um niemanden auf die Füße zu treten. Aber in dem Artikel „Bessere Spiele und bessere Spieler“ von Dr. Synes Ernst kommt ganz gut raus, dass man für sein Publikum und nicht für die Autoren schreibt. Das ist ein sehr wichtiger Punkt, den ich mir bis hierher noch nicht bewusst gemacht hatte. Auch ein Ersteindruck kann ein Verriss eines Spieles werden, wenn man das für den Leser nachvollziehbar darstellen kann. Ich habe mir vorgenommen, dass in meinen weiteren Grüßen aus der Küche und vor allem auch in den Rezeptvorstellungen umzusetzen. Kritischer und nachvollziehbarer.

Bis dahin. Lasst es euch schmecken!