Kochen in der Todeszone (K2)

Game Design: Adam Kałuża

Illustrationen: Jarek Nocoń

Publisher: Rebel; Asmodee


Köche: K2 ist ein Spiel für ein bis fünf Köche. Es allein zu kochen macht zu Übungszwecken Spaß aber es gewinnt deutlich an Qualität bei zwei oder mehr Köchen. Es funktioniert auch in höheren Spielerzahlen (vier bis fünf) noch sehr gut.


Zubereitungszeit: Solo in der Monokularküche verbringt man eine gute Dreiviertelstunde mit dem Rezept. Mit aufsteigender Spielerzahl erhöht sich die Zubereitungszeit auf eineinhalb Stunden.


Zubereitung: K2 ist ein Rezept aus dem Jahre 2010. Es handelt von der Besteigung des gleichnamigen Berges.

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Die Sommerkarte des K2

Hierzu erhält jeder Spieler zwei Bergsteiger und beginnt seinen Aufstieg im Basislager. Jeder Spieler erhält noch für jeden Bergsteiger ein Zelt und eine Akklimatisierungsleiste. Ab hier verläuft alles weitere über die 18 Karten, die für jeden Spieler gleich sind. Auf diesen sind Bewegungspunkte in grün und Akklimatisierungspunkte in blau, nebst einer netten Illustration aufgedruckt. Pro Runde stehen jedem Spieler sechs dieser Karten zur Verfügung von denen gleichzeitig alle Spieler drei Karten auswählen. Nach der Auswahl decken alle Spieler ihre Karten gleichzeitig auf und der Spieler mit den meisten Bewegungspunkten erhält noch einen Malus, den er sich aus drei Mali aussuchen darf. Der Startspieler beginnt nun damit, seine Karten auf seine Bergsteiger zu verteilen und mit dem Aufstieg zu beginnen.

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Bewegungskarten (grün) und eine Akklimatisierungskarte (blau)

Hierzu gilt es über unterschiedliche Routen, die jeweils aus unterschiedlichen Feldern bestehen, zum Gipfel zu gelangen. Die Felder unterhalb von 6000 Meter erfordern zum Betreten meist nur einen Bewegungspunkt. Die Felder oberhalb erfordern meist zwei bis drei Bewegungspunkte und ziehen nach dem Spielerzug auch noch Akklimatisierungspunkte ab. Zudem darf man das Wetter auf der Wetterleiste nicht außer acht lassen. Sobald Schnee fällt oder es kälter wird werden auch hier nochmal in bestimmten Regionen des Berges Akklimatisierungspunkte abgezogen.

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Es wird kalt am Berg; die Wetterleiste

Zum Glück kann jeder Bergsteiger einmalig auf seinem Weg ein Zelt aufbauen, um Akklimatisierungspunkte zu sparen. Blöd nur, dass auf ein Feld auch nur ein Zelt passt. Da wird es schnell eng am Berg. Apropo eng: Je höher man steigt, desto weniger Spielfiguren dürfen gleichzeitig auf einem Feld stehen. Nach 18 Runden (man spielt sein Kartendeck insgesamt drei mal durch) ist die Saison vorbei und wer die meisten Punkte hat, gewinnt das Spiel. Bergsteiger, die auf ihrer Akklimatisierungsleiste auf null rutschen, scheiden aus dem Spiel aus und reduzieren ihre bisher erlangten Siegpunkte auf einen lausigen Punkt.

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Akklimatisierungsleiste

Wie es schmeckt: Ich habe bereits über 20 Partien K2 gespielt und in allen Spielerzahlen. K2 gehört zu meinen Lieblingsspielen. Da ich selbst, das Bergsteigen hobbymäßig betreibe gehört dieser Berg, der auf der Grenze zwischen Pakistan und China liegt, zu einem unerreichbaren Traum. Ein Viertel der Bergsteiger, die den Aufstieg versuchen kommen auch heute noch dabei ums Leben. Er zählt zu den am schwierigsten zu bezwingenden der insgesamt vierzehn 8000 Meter hohen Berge. Vielleicht ist er sogar der Schwierigste. Das Spiel fängt diese bedrückende Atmosphäre wunderbar ein. Ich entdecke viele Parallelen zum Bergsteigen da draußen. Man sieht auf der Wetter-Leiste die nächsten sechs Tage im Voraus und muss das Wetter in seine Planung zum Gipfelsturm mit einbeziehen. Zudem sollte man versuchen, seine Akklimatiserungsleiste in einen stabilen Bereich bringen, bevor man sich in größere Höhen wagt. Natürlich gehört auch hier ein wenig Glück dazu, wie das Wetter wird und auch welche Karten man zieht. Prinzipiell sind alle Karten bekannt, nur die Reihenfolge passt manchmal so gar nicht. Am Berg passt manchmal aber auch alles so gar nicht und man muss den Aufstieg abbrechen. Da man im Spiel auch in beide Richtungen ziehen kann, muss man manchmal eben nochmal ein Stückchen absteigen bevor man wieder den Gipfel angreifen kann. Den Mechanismus, dass mit steigender Höhe, weniger Spielfiguren auf einem Feld stehen dürfen ist klasse. Manchmal kommt man an den Voransteigenden einfach nicht vorbei und manchmal ist einem der Rückweg versperrt und die Akklimatisierunsgleiste rauscht in Richtung null.

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Gelb setzt bestimmt demnächst zum Gipfelsturm an. Die anderen Gruppen warten in Lauerstellung.

Man darf aber über ein belegtes Feld hinwegziehen. Nur kommt man in größeren Höhen nur sehr langsam voran, da die Felder dort oben schon eine Menge Bewegungspunkte kosten. Man kennt vermutlich die Bilder von den Staus beim Aufstieg auf den Everest. Ich weiß nicht, ob ich übertreibe aber ich hänge in jeder Partie an meinen zwei Bergsteigern. Es wird auf jeden Fall versucht beide unbedingt am Leben zu halten, auch wenn dafür der Gipfel vielleicht nicht erreicht wird. Je höher man steigt, desto mehr Punkte gibt es. Der Gipfel bringt natürlich die Meisten aber manchmal reicht es auch schon zwei hoch platzierte Bergsteiger zu haben, statt einen auf den Gipfel zu bringen. Dabei wird die Punktzahl gewertet, die man im Laufe des Spiels erlangt hat. Steigt man mit einem Bergsteiger wieder ab, bleibt der Siegpunktmarker auf der Leiste bei der erworbenen Punktzahl stehen. Nur ausgeschiedene Bergsteiger verlieren alle Punkte. Gerade bei einer Spielerzahl ab drei kommt es vermehrt zu einem Taktieren in den unteren Höhen: Wer wird wohl angreifen? Wer prescht nach vorne? Sollte ein Weg zum Gipfel belegt sein, kann man aber vielleicht einen Umweg in Kauf nehmen, der aber frei ist. Der Wettlauf um die besten Plätze zum Zeltaufbauen ist auch jedes mal vorprogrammiert. Der hohe Interaktionsgrad ergibt sich aus dem oben Geschriebenen. Die Downtime hält sich angenehmerweise sehr in Grenzen, da man aufpassen muss welche Felder besetzt sind, bis man wieder dran ist. Zudem legen alle Spieler ihre, für diese Runde, nutzbaren Karten ja gleichzeitig fest und müssen dann damit haushalten.

Als Kritikpunkt muss ich aber die Bergsteigerfiguren ansprechen. Jeder Bergsteiger hat sein eigenes Zelt und auch seine eigene Akklimatisierungsleiste. Die Bergsteiger unterscheiden sich aber nur sehr marginal, dass es hier häufig zu Verwechslungen kommt. Das hätte man besser lösen können.

An Variation mangelt es auch nicht. Der Spielplan ist beidseitig bedruckt und hat eine einsteigerfreundliche helle Sommerkarte und eine etwas düstere, schwierigere Winterkarte für erfahrenere Bergsteiger. Zudem kann man mit Sommer- oder Winterwetter spielen und sich so den Schwierigkeitsgrad anpassen. Zur Einstimmung auf das Thema kann ich nur jedem den Film „The Summit“ aus dem Jahre 2012 empfehlen. Ein Dokumentarfilm über eine der größten Katastrophen der Bergsteigergeschichte, bei der 2008 am K2 elf Menschen ums Leben gekommen sind.

Alles in allem ist es ein sehr gelungenes Werk des Autors und hat die Bestnote nur knapp verfehlt.

Note: Aromatisch (5 von 6 Sternen)


Kurzfakten:

Köche: 1-5 (bisher in jeder Besetzung gut)

Zubereitungszeit: ca. 45-90 Minuten

Platz im Menü: Hauptspeise

Zubereitungsschwierigkeit: gehoben (kein Familienspiel)

Glücksanteil: Mäßig (Kartenglück gehört schon dazu, ist aber gut lenkbar)

3 Gedanken zu „Kochen in der Todeszone (K2)“

  1. Hello,

    den angesprochenen Glücksfaktor empfinde ich als garnicht so schlimm. Selbst ein gut geplanter Bergaufstieg kann nicht bis in das kleinste Detail geplant werden. Es kommen immer zu unerwarteten Komplikationen. Genau deswegen finde ich den kleinen Glücksfaktor ein richtiges Detail im Spiel.

    Gruß Jan

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  2. Hello,

    den angesprochenen Glücksfaktor empfinde ich als garnicht so schlimm. Selbst ein gut geplanter Bergaufstieg kann nicht bis in das kleinste Detail geplant werden. Es kommt immer zu unerwarteten Komplikationen. Genau deswegen finde ich den kleinen Glücksfaktor ein richtiges Detail im Spiel.

    Gruß Jan

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